Testosteron

Kategorie Laboruntersuchung
Stand08.12.2016
Abrechenbarkeit EBM
ErbringerEigenleistung
MethodeCLIA
Material0,3 ml Serum
Indikation
Männer: Kontrolle der endokrinen Hodenfunktion, Über­wachung einer Testosteronsubstitution
Frauen : Verdacht auf Androgenexzess
Abnahme
Aufgrund tageszeitlicher Schwankungen des Testosteronspiegels (bis zu 20 %) sollte die Blutabnahme stets morgens zwischen 7:00 und 10:00 Uhr (maximale Konzentration) erfolgen.
Referenzbereich
                männlich            weiblich
< 50 Jahre:     165 - 753 ng/dl     12 - 60 ng/dl
> 50 Jahre:      87 - 788 ng/dl        < 49 ng/dl
 
Kinder
 bis 5.Monat:     1 - 180 ng/dl
 Präpubertät:      3 - 35 ng/dl      3 - 35 ng/dl
 Tanner I-II:        < 70 ng/dl
 Tanner III:        < 280 ng/dl
 Tanner IV:     100 - 800 ng/dl
 
Umrechnung
1 ng/dl  = 0,035 nmol/l
1 nmol/l = 28,57 ng/dl
Interpretation
Männer
  < 230 ng/dl  Testosteronmangel
               Die zusätzliche Bestimmung von SHBG für
               die Berechnung des freien Testosterons ist
               nur in Zweifelsfällen erforderlich.
230-400 ng/dl  Testosteronspiegel grenzwertig niedrig
               Es sollte immer zusätzlich SHBG bestimmt
               und das freie Testosteron berechnet werden.
  > 400 ng/dl  Testosteronversorgung ausreichend
               Die zusätzliche Bestimmung von SHBG für
               die Berechnung des freien Testosterons ist
               nur in Zweifelsfällen (Verdacht auf erhöhtes
               SHBG) sinnvoll.
Kurzinformation
Bei Frauen ist für die Differentialdiagnostik der Hyperandrogenämie die zusätzliche SHBG-Bestimmung für die Berechnung des FAI (Freier Androgen-Index) sinnvoll.
Bei Männern ist die Berechnung des freien Testosterons nach der Formel von Vermeulen für die Abklärung eines Testosteronmangels aussagekräftiger.
Berechnetes freies Testosteron:
    > 7,2 ng/dl ausreichend
5,2 - 7,2 ng/dl grenzwertig niedrig
    < 5,2 ng/dl Testosteronmangel
Zusatzinformation
Hintergrund
Testosteron ist neben Dihy­drotestosteron (DHT) der wichtigste Vertreter der Androgene beim Mann. Es wird in den Leydigzellen des Hodens aus Cholesterin über mehrere enzymatische Schritte gebildet. Verglichen mit Testosteron ist die Wirkung der übrigen Androgene wie Andro­sten­dion, DHEA und DHEA-S 5- bis 20-fach geringer.
Die Testo­steron­konzentrationen im Serum unterliegen einem zirkadianen Rhyth­mus mit hohen Werten am Morgen und um etwa 25 % niedrigeren Werten am Abend. Testosteron liegt im Blut überwiegend an Proteine (SHBG, Albumin) gebun­den vor. Nur ca. 2 % des Gesamttestosterons sind als biolo­gisch aktives, freies Testosteron verfügbar. Deshalb ist für die Diagnose eines Testosteronmangels die Berechnung des freien Testosterons (Formel von Vermeulen) unter Berücksichtigung der SHBG- und Albumin-Konzentration wichtig.
 
Hormonwirkung
Beim Mann werden etwa 0,4 % des synthetisierten Testosterons in den Serto­li­zellen (20 %) und in der Peripherie (80 %) zu Östradiol (E2) aromatisiert. Testosteron und E2 sind wiederum Stellglieder für das endokrine Rückkopplungssystem.
Testosteron unterhält die Spermiogenese, fördert Wachstum und Funktion der männlichen Adnexe sowie die Entwicklung von Penis und Skrotum. Es hat eine anabole Wirkung vor allem auf die Muskulatur und das Skelettsystem und ist ferner verantwortlich für das Wachstum des Kehl­kopfes, die Entwicklung der typisch männlichen Behaarung sowie die Aufrechterhaltung von Libido und Potenz. Testosteron aktiviert außerdem die Erythropoese über einen direkten Einfluss auf das Knochen­mark und eine Stimulation der Erythropoietinsekretion (Androgen­­mangel führt zur Anämie) sowie die Funktion der Talg- und Schweißdrüsen. In vie­len peripheren Organen (z. B. Haut, Haarfollikel, Talgdrüsen, Prosta­ta, Samenbläschen, Nebenhoden, Penis und Knochen) ist nicht Testo­steron, sondern das intrazellulär aus Testosteron gebildete DHT Androgenrezeptor-vermittelt wirksam.
 
Bei der Frau wird Testosteron im Follikel unter Einfluss von LH synthetisiert. Es fördert den Haarwuchs im Bereich der Axillen, der Pubes, steigert die Libido und beeinflusst die Größe der Klitoris und der großen Labien, ferner die Sekretion der Gonado­tropine. Ein Androgenexzess führt zu Fertilitätsstörungen und Virilisierungserscheinungen.  
  
Bewertung und diagnostisches Vorgehen
Beim Mann sollten Testosteron-Werte im unteren Referenzbereich kontrolliert werden, sinnvoll ist auch die gleich­zeitige Bestimmung von SHBG zur Berechnung des freien Testosteron-Anteils (vor allem im unteren Konzentrationsbereich des Gesamttestosterons von ca. 230 - 400 ng/dl).
 
Bei der Frau sollte die Bestimmung in der Follikelphase erfolgen, gleichzeitige Bestimmung von SHBG für die Berechnung des FAI (Freier Androgen-Index) ist sinnvoll.
Bei Hyperandrogenämie führt die Bestim­mung von DHEA-S, Androstendion und ggf. 17-OH-Progesteron weiter.
 
 
Literatur
Web-Seiten:
  1. ISSAM-Homepage: http://www.issam.ch/ 
AnhängeDownload.png Ringversuchszertifikat Januar 2016.pdf
Download.png Ringversuchszertifikat Juli 2016.pdf
Download.png Ringversuchszertifikat Januar 2017.pdf
Download.png Ringversuchszertifikat Juli 2017.pdf
LaboReportDownload.png LR046_Testosteron-Mangel.pdf