Prolaktin

Prolactin

Kategorie Laboruntersuchung
Stand17.05.2021
Abrechenbarkeit EBM abrechenbar
ErbringerEigenleistung
MethodeCLIA
Material0,5 ml Serum
Indikation
Frauen: Oligo-/Amenorrhoe, Galaktorrhoe, Corpus luteum-Insuffizienz, anovulatorische Zyklen, Mastodynie, Mastopathie, Sterili­tät
Männer: Libido- u. Potenzstörungen, Hypogonadismus, Galaktorrhoe, Verdacht auf supraselläre Raumforderung
Abnahme
Die Blutentnahme sollte nicht nach einer gynäkologischen Untersuchung (Tastuntersuchung der Mamma) oder einer Prüfung auf Galaktorrhoe erfolgen. Wichtig ist, dass mäßig erhöhte Prolaktin-Konzentrationen alleine durch Stress hervorgerufen werden können.
Richtwert
Männer:                 < 375 mIU/l
Frauen  
 nicht schwanger:        < 620 mIU/l
 Gravidität:           < 4.400 mIU/l
  Abfall auf Ausgangsniveau innerhalb von 4 - 6 Wochen nach einer
 Schwangerschaft.
 Laktation:            < 8.000 mIU/l
 Menopause:              < 430 mIU/l
Kinder  
 5. Tag:        2.100 - 10.500 mIU/l
 bis 12. Monat:    110 - 1.350 mIU/l
 bis 3 Jahre:         95 - 630 mIU/l
 bis 11 Jahre:        55 - 450 mIU/l
 bis 13 Jahre:        60 - 500 mIU/l (m)
                      55 - 360 mIU/l (w)
 bis 18 Jahre:        60 - 350 mIU/l (m)
                      90 - 830 mIU/l (w)
Interpretation
Ständig erhöhte Prolaktinwerte im Serum ohne Vorliegen einer Schwangerschaft oder postpartalen Laktation zeigen eine Hyperprolaktinämie an.
Mögliche Ursachen einer Hyperprolaktinämie:
Bei Prolaktinom i.d.R.> 5.000 mIU/l
Werte zwischen 600 - 5.000 mIU/l auch bei Medikamenten
(a-Methyldopa, Reserpin, Phenoxybenzamin, Phentolamin, Propranolol, Metoclopramid, Cimetidin, Ranitidin, Phenothiazine, Butyrophenone, zyklische Antidepressiva), Hormonen (Östrogene, TRH), Hypophysenstielläsion (Trauma, Tumor), Hypothyreose, Niereninsuffizienz, Adipositas, nach epileptischen Anfällen.
Kurzinformation
Zur Erkennung einer „funktionellen“ (latenten) Hyperprolaktinämie oder bei nur passageren Erhöhungen des Basalspiegels ist ein Stimulationstest mit Metoclopramid (MCP-Test) sinnvoll (10 mg i.v., Blutabnahme vor und 30 min nach Injektion). Ein Anstieg > 5000 mIU/l spricht für eine funktionelle (hypothalamisch-bedingte) Prolaktinämie.
Zusatzinformation
Hintergrund
Prolaktin ist ein einkettiges Polypeptid-Hormon, das vom Hypophysenvorderlappen (HVL) sezerniert wird. Die Sekretion wird durch den Hypothalamus mittels Dopamin (Prolaktin-Inhibiting-Factor) und Prolaktin-Releasing-Factor (PRF) kontrolliert. Prolaktin wird überdies in der Plazenta synthetisiert und ist im Fruchtwasser vorhanden. Bei der Frau ist Prolaktin für die Auslösung und Aufrechterhaltung der Milchbildung verantwortlich. Während der Schwangerschaft und der postpartalen Laktation können die Prolaktinwerte im Serum auf das 10- bis 20-Fache ansteigen.
Östrogene fördern die Prolaktinausschüttung, indem sie die Ansprechbarkeit der laktotropen Zellen des HVL auf Dopamin herunterregulieren. Taktile Brustwarzenreize (Stillperiode) führen zu ge­stei­­gerter PRL-Sekretion.
 
Bewertung
Die Hyperprolaktinämie ist die häufigste hypothalamo-hypophysäre Funktionsstörung in der klinischen Endokrinologie. Eine Hyperprolaktinämie führt häufig zu Galaktorrhoe, Amenorrhoe und Anovulation bei der Frau sowie zu Impotenz und Hypogonadismus beim Mann.
Die PRL-Konzentration unterliegt einem Tag-Nacht-Rhythmus und fällt im Tagesverlauf auf die Hälfte des morgendlichen Basalwertes ab, um dann während des Schlafes am frühen Mor­gen wieder anzusteigen.
 
Mögliche Ursachen einer Hyperprolaktinämie
  • Vermehrung Prolaktin-produzierender Zellen (Hyperpla­sie, Prolaktinom). Bei HVL-Adenomen (Prolaktinome) meist PRL-Werte über 5000 mIU/l, niedrigere Werte schließen ein Adenom, insbesondere Mikroadenome, nicht aus.
  • Hypothalamuserkrankungen (Kraniopharyngiome, Ger­mi­no­me, Gliome, Hamartome, Metastasen u. a.)
  • Hypophysenerkrankungen (Empty-sella-Syndrom, intra­sel­läre Meningeome, Unter­bre­chung der Portal­gefäße bei Hypophysenstiel-Affek­tionen u. a.)
  • ausgeprägte Hypothyreose, Adipositas (durch vermehrte Aromatisierung von Androgenen im Fettgewebe beding­ter Östrogenexzess, der die PRL-Freisetzung stimuliert), Niereninsuffizienz, Leber­zirrhose, Brustwandprozesse (Trau­ma, Herpes Zoster), Rückenmarkverletzungen u. a.
  • Pharmaka: besonders Antidepressiva, Antiemetika, Anti­his­­ta­minika, Antihypertonika, Dopamin-Antagonis­ten, Neu­roleptika, Opiate, Ovulationshemmer u. a.
  • 30 % aller Mammakarzinome
  • Gravidität, Laktation
  • Tag-Nacht-Rhythmus, Schlaf
  • physischer und psychischer Stress, epileptische Anfälle
 
Auch nur mäßig erhöhte Prolaktinwerte können klinisch relevant sein, besonders bei Corpus luteum-Insuffizienz. In solchen Fällen bzw. bei grenzwertigem PRL kann die Messung der hypophysären PRL-Reserven nach Stimulation mit TRH oder Metoclopramid eine sog. latente Hyperprolaktinämie erfassen.
 
Hinweis
Erhöhte Prolaktinwerte ohne dazu passende Klinik können durch dimere (big) oder polymere (big-big) Formen des PRL-­Mo­le­küls (Makroprolaktin) verursacht werden, die gegenüber dem nor­ma­len PRL-Molekül eine deutlich verminderte hormonspe­zifische Wirkung besitzen. Das Makroprolaktin kann jedoch bei der Labormessung eine Hyperprolaktinämie vortäuschen. Die Abklärung auf Makroprolaktiinämie kann durch eine Prolaktinuntersuchung nach PEG-Fällung oder durch eine Testung mit einem Assay, der weniger Makroprolaktin-anfällig ist, erfolgen.
 
AnhängeDownload.png Ringversuchszertifikat März 2020.pdf
Download.png Ringversuchszertifikat März 2021.pdf