Oligoklonales IgG im Liquor

Isoelektrische Fokussierung im Liquor

Kategorie Laboruntersuchung
Stand20.02.2009
Abrechenbarkeit EBM
ErbringerEigenleistung
MethodeIsoelektrische Fokussierung
Material0,3 ml Liquor und 1 ml Serum (gleichzeitig entnommen)
Indikation
Entzündliche ZNS-Erkrankungen
Referenzbereich
nicht nachweisbar
Kurzinformation
Bestimmung gemeinsam mit Liquor-Protein-Differenzierung nach Reiber sinnvoll.
Zusatzinformation
Hintergrund
Die Untersuchung des Liquors auf oligoklonale Banden ist Bestandteil der immunologischen Liquordiagnostik. Oligoklonale Banden zeigen das Vorliegen einer Immunreaktion im ZNS an und sind daher für alle entzündlichen Erkrankungen, erregerbedingt oder autoimmun, von Interesse.
Als "oligoklonale Banden" bezeichnet man das elektrophoretische Erscheinungsbild intrathekal produzierter Immunglobuline. Methodisch erfolgt eine Separierung und scharfe Fokussierung der einzelnen Immunglobuline auf der Grundlage ihres individuellen isoelektrischen Punktes (isoelektrische Fokussierung). Die sichtbar gemachten scharfen Einzelbanden werden als oligoklonale Banden bezeichnet. Voraussetzung für die Vergleichbarkeit von Liquor und Serum ist der Auftrag von gleichen IgG-Mengen in beiden Proben. Bereits ein Anteil von 0,5 % des intrathekalen IgGs am Gesamt-IgG im Liquor ist durch isoelektrische Fokussierung als oligoklonales IgG nachweisbar.
 
Bewertung
Bei chronischen Entzündungen werden im Serum IgG-AK gegen zahlreiche Antigene gebildet. Das Muster dieser polyklonalen IgG-Synthese findet sich auch im Liquor. Im Liquor werden jedoch zusätzlich einige IgG-AK in besonders hoher Konzentration nachgewiesen, die bei einem Vergleich von Serum und Liquor im IgG-Bereich als oligoklonale Banden sichtbar sind. Entscheidend ist die Erkennung von Unterschieden im Verteilungsprofil des IgG zwischen Liquor und Serum.
Ab einem Nachweis von mindestens 3 Banden im Liquor, die nicht gleichzeitig im Serum nachweisbar sind, wird der Befund als positiv bewertet.
 
Nachweisrate oligoklonaler Banden bei entzündlichen ZNS-Erkrankungen:
SSPE (Masern-Folgeerkrankung)    100 %
Multiple Sklerose (MS)            90 %
Opportunistische Infektionen      75 %
Neurosarkoidose                   66 %
Neuroborreliose                   65 %
Neurosyphilis                     63 %
HIV-Enzephalitis                  54 %
Kollagenosen                      32 %
TBC-Meningitis                    25 %
Zoster-Ganglionitis               19 %
Herpes-Enzephalitis                 1 %
Pneumokokken-Meningitis            0 %
Meningokokken-Meningitis           0 %
Guillain-Barré-Syndrom (GBS)       0 %
 
Es sollte stets gleichzeitig eine Liquor-Protein-Differenzierung nach Reiber durchgeführt werden.
Literatur
Wildemann B, Oschmann P, Reiber H. Neurologische Labordiagnostik. 1. Auflage ed. Thieme Verlag, Stuttgart, 2006. (137)
 
Felgenhauer K, Beuche W. Labordiagnostik neurologischer Erkrankungen. 1 ed. Thieme Verlag, Stuttgart, 1999. (143)
AnhängeDownload.png Ringversuchszertifikat Oktober 2015.pdf
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