Homocystein (HCY)

Kategorie Laboruntersuchung
Stand28.09.2020
Abrechenbarkeit EBM abrechenbar
ErbringerEigenleistung
MethodeCLIA
Material
0,5 ml Plasma, Serum (hämolysefrei)
Indikation
Kardiovaskuläre Erkrankungen, KHK-Risiko, arterielle und venöse Thrombosen, V. a. genetisch bedingte Hyperhomocysteinämie, Verdacht auf Vitamin B12- und/oder Folsäure-Mangel, Therapiekontrolle unter Vitaminsubstitution
Abnahme
Zentrifugation des Blutes sofort (Plasma) oder gleich nach kompletter Gerinnung (Serum), spätestens 60 min nach Abnahme. Alternativ kann ohne Zentrifugation die HCY-Z-Gel S-Monovette® von Sarstedt (ausschließlich für Homocystein!) oder das Vacutainer® Na-Fluorid, Na-Heparin Röhrchen von BD verwendet werden.
Richtwert
< 10 µmol/l
Interpretation
        < 10 µmol/l günstig (kein Handlungsbedarf)
    10 -  12 µmol/l grenzwertig (akzeptabel
                    für Nichtrisikogruppen)
 > 12 - < 30 µmol/l moderate Hyperhomocysteinämie  
                    (Vitaminmangel, heterozygote
                    Enzymdefekte)
    30 - 100 µmol/l intermediäre Hyperhomocysteinämie
                    (homozygote Enzymdefekte, chron.
                    Nierenerkrankungen)
       > 100 µmol/l schwere Hyperhomocysteinämie
                    (Homocystinurie)
Kurzinformation
Biotin kann den Test stören!
Bis zu einer Biotinkonzentration von 1500 ng/ml wurden vom Hersteller keine Interferenzen nachgewiesen. Bei höheren Biotinkonzentrationen in der Probe besteht die Gefahr falsch niedriger Messwerte.
Zusatzinformation
Hintergrund
Homocystein (HCY) ist eine nicht-proteinogene Aminosäure, die ausschließlich als Zwischenprodukt im Stoffwechsel der essentiellen Aminosäure Methionin vorkommt. Das potentiell zelltoxische HCY kann über Remethylierung oder Transsulfurierung verstoffwechselt werden. Die Remethylierung zu Methionin erfolgt durch die Vitamin B12-abhängige Methioninsynthase in allen Körperzellen unter der Voraussetzung eines intakten Folat-Zyklus. Dieser wiederum erfordert eine ausreichende Verfügbarkeit von Folsäure sowie eine funktionierende Methylentetrahydrofolatreduktase (MTHFR). Die Vitamin B6-abhängige, irreversible Transsulfurierung von HCY zu Cystein durch die Enzyme Cystathionin-ß-Synthase (CBS) und Cystathionase findet nur in Leber, Niere, Dünndarm und Pankreas statt. Bei Störungen des intrazellulären Abbaus von HCY wird dieses als Schutzmechanismus aktiv aus der Zelle in das Plasma exportiert. Im Plasma liegt das HCY in verschiedenen Formen vor (reduziert, oxidiert, frei, proteingebunden), wobei die Routinebestimmung im Labor alle Formen als Gesamthomocystein erfasst. Ein Mangel der Vitamine Folsäure, B12 und B6 ist verantwortlich für etwa 2/3 aller Hyperhomocysteinämien. Genetische Defekte mit den Folgen einer Hyperhomocysteinämie betreffen die Enzyme MTHFR und CBS (Homocystinurie).
 
Klinische Bedeutung
Die Hyperhomocysteinämie gilt als ein eigenständiger und unabhängiger Risikofaktor für atherosklerotische Gefäßerkrankungen (KHK, zerebrovaskuläre Erkrankungen, pAVK), der als Teil des Gesamt-Risikoprofils gesehen werden muss. Außerdem spielt HCY eine wichtige Rolle bei thrombembolischen Erkrankungen (tiefe Beinvenenthrombosen, Embolien) und möglicherweise auch für die Manifestation und Progression neuropsychiatrischer Erkrankungen (Multiple Sklerose, Demenz, Depression).
 
Diagnostische Bedeutung
Der HCY-Spiegel ist ein sensitiver Marker für die frühzeitige Erkennung eines Folsäure- und Vitamin B12-Mangels (intrazellulärer Mangel bei niedrig-normalen Serumspiegeln), dient der Erfassung genetisch bedingter Hyperhomocysteinämien und ist ein sinnvoller Parameter im Rahmen der allgemeinen Risikostratifizierung. Präanalytisch wichtig ist eine rechtzeitige Abtrennung des Plasmas von den Blutzellen (< 60 min), da durch die in-vitro-Synthese von HCY in den Erythrozyten eine Anstieg von ca. 1 µmol/l/h bei Raumtemperatur zu erwarten ist. Alternativ kann die in vitro HCY-Synthese in den Erythrozyten durch geeignete Inhibitoren (NaF, 3-Deazaadenosin, Citrat) unterdrückt werden.
 
Bewertung
Milde bis moderate Hyperhomocysteinämien (15 - 30 µmol/l) sind ein unabhängiger kardiovaskulärer Risikofaktor und in der Regel durch Vitaminsubstitution (Folsäure, B12, B6) gut therapierbar. Starke bis exzessive Hyperhomocysteinämien (Homocystinurie) beruhen meist auf Enzymdefekten (CBS, MTHFR).
Ursachen einer Hyperhomocysteinämie:
  • Vitaminmangel (Folsäure, Vitamin B12, Vitamin B6)
  • Nierenerkrankungen (70 % der HCY-Clearance in der Niere)  
  • Genetische Enzymdefekte (MTHFR, CBS)
  • Medikamente (Antiepileptika, Methotrexat, Theophyllin, Niacin, Immunsuppressiva, Fibrate, Levodopa, Metformin)
  • Hypothyreose (verminderte MTHFR-Aktivität)
  • Autoimmunerkrankungen (RA, SLE, Psoriasis)
  • Zigarettenrauchen
  • Hohe Proteinaufnahme
  • Mangelnde Zufuhr von Betain oder Cholin
  • Chronischer Alkoholismus
Literatur
Blom HJ, Smulders Y. Overview of homocysteine and folate metabolism. With special references to cardiovascular disease and neural tube defects. J Inherit Metab Dis 34: 75-81, 2011. (211)
 
Stanger O, Fowler B, Piertzik K, Huemer M, Haschke-Becher E, Semmler A, Lorenzl S, Linnebank M. Homocysteine, folate and vitamin B12 in neuropsychiatric diseases: review and treatment recommendations. Expert Rev Neurother 9: 1393-412, 2009. (213)
 
Clarke R, Bennett DA, Parish S, Verhoef P, Dotsch-Klerk M, Lathrop M, Xu P, Nordestgaard BG, Holm H, Hopewell JC, Saleheen D, Tanaka T, Anand SS, Chambers JC, Kleber ME, Ouwehand WH, Yamada Y, Elbers C, Peters B, Stewart AF, Reilly MM, Thorand B, Yusuf S, Engert JC, Assimes TL, Kooner J, Danesh J, Watkins H, Samani NJ, Collins R, Peto R. Homocysteine and coronary heart disease: meta-analysis of MTHFR case-control studies, avoiding publication bias. PLoS Med 9: e1001177, 2012. (212)
AnhängeDownload.png Ringversuchszertifikat Februar 2019.pdf
Download.png Ringversuchszertifikat Juli 2019.pdf
Download.png Ringversuchszertifikat Februar 2020.pdf
Download.png Ringversuchszertifikat Juli 2020.pdf
Abbildungen
Homocystein-Metabolismus.jpg