Dexamethason-Hemmtest bei Hypercortisolismus

Kategorie Funktionstest
Stand20.02.2009
Abrechenbarkeit EBM
ErbringerEigenleistung
Indikation
Abklärung erhöhter Cortisol-Werte im Tagesprofil (V. a. NNR-Überfunktion)
Prinzip
Dexamethason hemmt die ACTH-Freisetzung aus dem Hypophysen­vorderlappen und damit die Steroidbiosynthese in der NNR. Beim zentralen Cushing-Syndrom ist eine Hemmung nur mit pharmakologischen Dosen (8 mg) möglich, bei ektoper ACTH-Produktion und beim autonomen NNR-Tumor bleibt die Hemmung auch bei hohen Dexamethasondosen aus.
 
Enthaltene Parameter
Cortisol (0,5 ml Serum je Zeitpunkt)
Durchführung
  • 1. Blutabnahme um 8 Uhr für Cortisol-Basalwert, (Beschriftung: „vor Dexamethason“)
  • Gabe von 2 mg Dexamethason p.o. um 23 Uhr
  • 2. Blutabnahme am folgenden Morgen um 8 Uhr, (Beschriftung: „nach Dexamethason“)
Interpretation
Ein Cortisolwert < 2 µg/dl (< 55 nmol/l) nach Dexamethason schließt ein Cushing-Syndrom weitgehend aus.
Selten (< 2 %) wird auch bei Cushing-Syndrom eine Suppression beobachtet (periodisches Cushing-Syndrom, Tumoren mit supprimierbarer ektoper ACTH-Produktion)
Fehlende Cortisol-Suppression:
  • Vorliegen eines Cushing-Syndroms, aber ohne differential­diagnostische Aussagekraft
  • auch möglich bei mangelhafter Resorption des Dexamethasons, endogener Depression, Adipositas, Niereninsuffizienz, Östrogeneinnahme, starker Stresseinwirkung und gesteigertem Dexamethason-Metabolismus (z. B. unter Einnahme von Phenytoin, bei Alkoholabusus).
Kurzinformation
Bei unzureichender Suppression ® weitere Abklärung:
  • Wiederholung des Tests mit 8 mg Dexamethason: eine Suppression auf < 50 % des Ausgangswertes spricht für ein zentrales Cushing-Syndrom
  • bei fehlender Suppression und weiterhin Verdacht auf zentrales Cushing-Syndrom ® Wiederholung des Tests mit 12 mg Dexamethason:
  • Bei weiterhin fehlender Suppression liegt i. R. ein adrenales Cushing-Syndrom oder eine ektope ACTH-Produktion vor.
Zusatzinformation
Der Dexamethason-Test ist ein einfacher, in der Praxis durchführbarer Test zum Ausschluss oder Nachweis einer NNR-Überfunktion. Vorausgehen sollte immer die Bestimmung des Cortisol-Tagesprofils (siehe unter "Cortisol"). Dexamethason hemmt die ACTH-Freisetzung im HVL und dadurch auch die Corticoidproduktion in der NNR, wird bei der Cortisolbestimmung jedoch nicht mit erfasst.
 
Bewertung
Bei normaler Funktion des Regelkreises HVL-NNR liegt der Cortisolwert nach Dexamethason unter 2 µg/dl. Fehlende Suppression spricht für das Vorliegen eines Cushing-Syndroms. Der Test kann jedoch auch bei Patienten im Stress, bei Fieber und vor allem bei schwerer endogener Depression pathologisch ausfallen.
Durch Gabe von 8 mg Dexamethason p.o. (gleiche Durchführungsbedingungen) kann bei pathologischem Ausfall des  niedrigdosierten Tests in den meisten Fällen eine Differenzierung zwischen hypothalamo-hypophysärem und primär adrenalem Cushing-Syndrom erreicht werden. Bei autonomer NNR-Funktion (Adenom, Carcinom) kann auch mit der er­höhten Dosis keine Suppression erzielt werden.