Hämochromatose (Gendiagnostik)

HFE

Kategorie Laboruntersuchung
Stand27.06.2014
Abrechenbarkeit EBM
ErbringerEigenleistung
MethodeEchtzeit-PCR
Material2,0 ml EDTA-Blut
IndikationGenetische Abklärung eines Hämochromatose-Verdachts
Kurzinformation
Untersucht wird auf die Mutationen C282Y, H63D und S65C im HFE-Gen.
Unterliegt dem GenDG! Die Einwilligungserklärung des Patienten für humangenetische Untersuchungen muss vorliegen!
Zusatzinformation
Hintergrund
(Datenbankeintrag: OMIM 235200)
Bei der hereditären Hämochromatose kommt es durch überhöhte Eisenresorption zu schädigenden Eisenablagerungen in multiplen Organen. Die Erkrankung hat unter Kaukasiern eine Prävalenz von 0,3 - 0,5 % und ist damit die in Europa am häufigsten vorkommende Erbkrankheit.
Bei Patienten mit hereditärer Hämochromatose sind drei Punktmutationen im humanen Hämochromatose(HFE)-Gen gehäuft nachweisbar: C282Y, H63D und selten S65C. Die deutliche Assoziation der C282Y-Mutation mit der hereditären Hämochromatose wurde in zahlreichen Studien belegt. Die Mutation C282Y kommt heterozygot bei etwa 5 % der Gesamtbevölkerung vor. Bis zu 90 % der Hämochromatose-Patienten tragen homozygot das Allel C282Y. Die Assoziation der Mutation H63D mit der hereditären Hämochromatose erscheint unklarer. Das mutierte Allel kommt bei etwa 20 % der Bevölkerung in heterozygotem Zustand vor. Die homozygot vorhandene Mutation H63D prädisponiert nicht für die hereditäre Hämochromatose, liegt aber bei bis zu 4 % der Patienten vor. Hingegen sind ca. 4 - 5 % aller Hämochromatose-Patienten mit einer heterozygot vorliegenden Mutation C282Y auch heterozygot für die Mutation H63D oder (deutlich seltener) S65C (Compound-Heterozygotie) und zeigen meist einen milden klinischen Verlauf der Erkrankung. Bei 5 - 10 % der Patienten finden sich keine dieser Mutationen.   
  
Klinische Bedeutung
Bei der Hämochromatose können sich im Verlauf von Jahren durch eine überhöhte Eisenresorption in verschiedenen Organen Eisenablagerungen einstellen, die u. a. zu Leberzirrhose, Diabetes mellitus, Hypogonadismus und Kardiomyopathie führen. Der Nachweis der spezifischen Mutationen im HFE-Gen ermöglicht eine Frühdiagnostik der Erkrankung und die Einleitung einer Therapie zur Verhinderung der Organschäden durch überhöhte Eisenablagerung.
 
Indikationen für die genetische Untersuchung
  • positive Familienanamnese für Hämochromatose
  • Ferritin > 500 µg/l + Transferrinsättigung > 50 %
  • Diabetes mellitus mit Bronzehaut
  • Leberzirrhose unklarer Genese
  • vermehrte Hautpigmentierung
  • Kardiomyopathie
  • hypogonadotroper Hypogonadismus
  • schmerzhafte Arthropathien unklarer Genese
Literatur
  1. Feder JN et al. (1996): A novel MHC class 1-like gene is mutated in patients with hereditary hemochromatosis. Nat Genet 13, 399-408
  2. Feder JN (1999): The hereditary hemochromatosis gene (HFE): a MHC class 1-like gene that functions in the regulation of iron homeostasis. lmmunol Res 20, 175-185
  3. Gottschalk R, Seidl C, Loeffler T, Seifried E, Hoelzer D, Kaltwasser JP (1998): HFE codon 63/282 (H63D/C282Y) dimorphism in german patients with genetic hemochromatosis.  
  4. Tissue Antigens 51, 270-275
  5. Nielsen P, Fischer R, Engelhardt R, Dresow B, Gabbe EE (1998): Neue Möglichkeiten in der Diagnose der hereditären Hämochromatose. Deutsches Ärztebiatt 95, Heft 46, B-2264-B-2268
  6. Wallace DF, Walker AP, Pietrangelo A, Clare M, Bomford AB, Dixon JL, Powell LW, Subramaniam VN, Dooley JS (2002): Frequency of the S65C mutation of HFE and iron overload in 309 subjects heterozygous for C282Y. J Hepatol 36, 474-479
AnhängeDownload.png Ringversuchszertifikat April 2016.pdf
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