LipoComplete®-Lipoproteinprofil

LDL-Subfraktionen, Lipoprotein-Subfraktionen, sdLDL, small dense LDL, kleine dichte LDL, LDL-Partikelkonzentration, LDL-Partikeldurchmesser, LDL-Subtypen

Kategorie Laboruntersuchung
Stand08.08.2017
Abrechenbarkeit EBM nicht abrechenbar
ErbringerWeiterleitung
MethodeNMR-Spektroskopie (Fa. numares)
Material2,0 ml Serum (nüchtern, 12 h Nahrungskarenz)
Indikation
Erweiterte Lipoproteinanalytik zur Erfassung von Lipoproteinsubfraktionen (z.B. kleine, dichte LDL = small, dense LDL = sdLDL) und Lipoprotein-Partikeleigenschaften (Partikelkonzentration, Partikeldurchmesser)
Referenzbereich
s. Befundbericht
Kurzinformation
Der Befundbericht enthält folgende Messwerte: Triglyzeride, Gesamt-Cholesterin, LDL-Cholesterin und HDL-Cholesterin, die auf die LipoDens®-Methode rückführbaren Cholesterin-Konzentrationen in den Lipoprotein-Subklassen (VLDL, IDL, LDL-1, LDL-2, LDL-3, sdLDL, HDL-2, HDL-3), die Partikelkonzentrationen der Lipoprotein-Subklassen (VLDL, LDL, große LDL, kleine LDL, HDL, große HDL, kleine HDL) und die mittleren Partikeldurchmesser der Lipoproteine (VLDL, LDL, HDL). Außerdem gibt es eine grafische Darstellung der Ergebnisse mit Befundinterpretation.
Zusatzinformation
Hintergrund
Lipoproteine sind kompliziert aufgebaute, mizellenähnliche Partikel, die neben Triglyzeriden, verestertem und freiem Cholesterin zahlreiche andere Bestandteile wie Phospholipide, Apolipoproteine, Enzyme und fettlösliche Vitamine enthalten. Die Messung des Cholesterins als ein Bestandteil der Lipoproteine kann demzufolge nur eingeschränkte Informationen über deren Eigenschaften und Funktionalität liefern. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Zusammensetzung bilden die Lipoproteine im Blut ein Kontinuum von sehr großen, leichten, lipidreichen bis sehr kleinen, dichten, lipidarmen Partikeln. Innerhalb der Hauptlipoproteinklassen VLDL, LDL und HDL gibt es weitere Subklassen, die sich in Größe und Dichte unterscheiden. Die gleiche LDL-Cholesterinmenge kann beispielsweise in wenigen großen oder in vielen kleinen LDL-Partikeln verpackt sein, was von hoher klinischer Relevanz ist. In zahlreichen Studien hat sich gezeigt, dass kleine, dichte LDL (small, dense LDL = sdLDL) wesentlich atherogener als größere, leichtere LDL sind. Eine Dominanz der kleinen, dichten LDL erhöht das Herzinfarkt-Risiko um das 3-7fache und zwar unabhängig vom LDL-Cholesterin. Bei 40–50 % aller Patienten mit einer KHK wurden vermehrt kleine, dichte LDL gefunden, ohne dass das LDL-Cholesterin auffällig erhöht war. Dabei korrelierte die Höhe des sdLDL-Cholesterins positiv mit dem Schweregrad der KHK. Die Vorhersagekraft der kleinen, dichten LDL für ein zukünftiges koronares Ereignis übertraf darüber hinaus die der Gesamt-LDL deutlich. Kleine, dichte LDL wurde deshalb vom NCEP ATP III (National Cholesterol Education Program Adult Treatment Panel III) als ein eigenständiger, neuer Risikofaktor für Atherosklerose anerkannt. Auch für die HDL wurde subklassenspezifische Unterscheide mit größtenteils noch ungeklärten Auswirkungen beschrieben. Als sicher gilt jedoch, dass funktionelle Eigenschaften der HDL-Subklassen (reverser Cholesterintransport, antioxidative und antiinflammatorische Eigenschaften) eine größere Bedeutung für deren antiatherogene Wirkung haben als das totale HDL-Cholesterin.
Obwohl der klinische Nutzen eines erweiterten Lipoproteinprofils noch in Diskussion ist, empfehlen einige Richtlinien und Expertenausschüsse die Messung von Lipoproteinsubklassen und LDL-Partikeleigenschaften wie LDL-Partikelkonzentration und LDL-Partikeldurchmesser zur erweiterten Risikoabschätzung für kardiovaskuläre Erkrankungen und Patientenmanagement.