Oxidierte LDL (oxLDL)

Kategorie Laboruntersuchung
Stand14.09.2016
Abrechenbarkeit EBM
ErbringerWeiterleitung
MethodeELISA
Material0,5 ml Serum
Indikation
Risikostratifizierung bei KHK, Zustände mit erhöhtem oxidativen Stress
Referenzbereich
< 117 U/l
Zusatzinformation
Hintergrund
Oxidierte LDL (oxLDL) sind eine sehr heterogene Gruppe unterschiedlich stark oxidierter LDL (minimal, moderat, extensiv), die sich strukturell und funktionell wesentlich unterscheiden. Die LDL-Oxidation findet im prooxidativen Milieu entzündeter Bereiche des arteriellen, subendothelialen Raums statt. Das Ausmaß der LDL-Oxidation hängt dabei auch von den Eigenschaften der LDL selbst wie z. B. der Fettsäurekomposition (Arachidonsäure, Linolensäure), der Beladung mit Antioxidantien (Vitamin E, Coenzym Q10) und der LDL-Größe (kleine, dichte LDL) ab. Die Oxidation der LDL führt zur Bildung bioaktiver Lipide mit proinflammatorischen Eigenschaften und zu Strukturveränderungen des ApoB. In minimal oxidierten LDL (MM-LDL) ist das ApoB noch intakt, so dass diese über den klassischen LDL-Rezeptorweg abgebaut werden können. Bei ihnen dominieren die proinflammatorischen Effekte. Vollständig oxidierte LDL können wegen des veränderten ApoB ausschließlich über verschiedene Scavenger-Rezeptoren (SRAI/II, CD36, TLR-4, LOX-1) eliminiert werden, was zur Entstehung der typischen Schaumzellen mit extrazellulärer Cholesterinablagerung in den atherosklerotischen Plaques führt. Durch die Oxidation der LDL entsteht eine große Anzahl neuer Epitope, die zu einer sehr variablen immunologischen Antwort mit Bildung von Autoantikörpern gegen ApoB-Komponenten und Phospholipide sowie von Immunkomplexen führt.
 
Bewertung
Die zentrale Bedeutung der oxLDL für die Entstehung und Progression der Atherosklerose gilt heute als gesichert. Darüber hinaus spielen oxLDL offenbar eine wichtige pathogenetische Rolle beim Diabetes mellitus (Mikro- und Makroangiopathie) und bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen (Lupus erythematodes, Antiphospholipid-Syndrom, Rheumatoide Arthritis).
Obwohl oxLDL im Plasma wegen der schnellen Elimination durch das Retikuloendotheliale System eine sehr kurze Halbwertszeit haben, werden erhöhte oxLDL bei KHK, Diabetes mellitus, Nierenerkrankungen und Autoimmunerkrankungen gefunden. Der klinische Stellenwert einer Titerbestimmung von Autoantikörpern gegen oxLDL ist umstritten.
Literatur
Levitan I, Volkov S, Subbaiah PV. Oxidized LDL: diversity, patterns of recognition, and pathophysiology. Antioxid Redox Signal 13: 39-75, 2010. (209)
 
Parthasarathy S, Raghavamenon A, Garelnabi MO, Santanam N. Oxidized low-density lipoprotein. Methods Mol Biol 610: 403-17, 2010. (210)