Paraneoplastische neurologische Syndrome

Onkoneuronale Antikörper

Kategorie Lexikon
Stand26.06.2014
Abrechenbarkeit EBM
Zusatzinformation
Hintergrund
Als paraneoplastische neurologische Syndrome (PNS) werden Erkrankungen des zentralen oder peripheren Nervensystems bezeichnet, die in unmittelbarem Zusammenhang mit einer Tumorerkrankung aufteten, jedoch nicht durch den Tumor oder seine Metastasen direkt verursacht werden bzw. auf eine Nebenwirkung der Tumortherapie (Bestrahlung, Chemotherapie) zurückzuführen sind. Den PNS liegt eine immunologische Pathogenese zugrunde, wobei Autoantikörper gegen neuronale Antigene (sog. onkoneurale Autoantikörper) nachgewiesen werden können.
PNS kommen bei etwa 1 % aller Tumorerkrankungen vor. Dabei gehen die neurologischen Symptome der Entdeckung des Tumors häufig Monate bis Jahre voraus. Die neurologischen Syndrome werden in klassische und nicht-klassische PNS unterschieden. Klassische PNS umfassen, in Abhängigkeit von der Lokalisation, folgende neurologische Syndrome:
  • Zentrales Nervensystem
    • Enzephalomyelitis
    • limbische Enzephalitis
    • subakute Kleinhirndegeneration
    • Opsoklonus-Myoklonus-Syndrom
  • Peripheres Nervensystem
    • subakute sensorische Neuropathie
    • chronische intestinale Pseudoobstruktion
  • Neuromuskuläre Synapse und Muskel
    • Lambert-Eaton-Myasthenes Syndrom
    • Dermatomyositis
 
Diagnostisches Vorgehen
Die bei PNS nachweisbaren paraneoplastischen Autoantikörper werden in gut charakterisierte und teilcharakterisierte paraneoplastische AK unterteilt. Gut charakterisierte AAK zeigen eine Assoziation mit einer Tumorerkrankung in > 95 % der Fälle.
 
Gut charakterisierte paraneoplastische AK umfassen
  • Anti-Hu-AK (ANNA-1, AK gg Neuronenkerne)
  • Anti-Ri-AK (ANNA-2, AK gg Neuronenkerne)
  • Anti-Yo-AK (AK gg Purkinje-Zellen, PCA-1)
  • AK gg CV2
  • AK gg Ma2/Ta (PNMA2)
  • AK gg Amphiphysin
  • AK gg Recoverin
 
Teilcharakterisierte paraneoplastische AK umfassen u. a. Anti-Tr(PCA-Tr)-AK, Anti-Zic4-AK, Anti-SOX-1-AK, AK gg PCA-2, ANNA-3 und AK gg ganglionäre AChR.
 
Der Nachweis paraneoplastischer AK erfolgt gemäß Leitlinie zur Diagnostik paraneoplastischer Syndrome mittels zweier unabhängiger Labormethoden, dem IFT und dem Immunoblot.
 
Für die Diagnostik von PNS sind Diagnosekriterien erarbeitet worden, die zwischen definitivem und möglichem paraneoplastischem Syndrom unterscheiden (siehe Abbildung).
Literatur
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). S1-Leitlinie: Paraneoplastische Syndrome. Leitlinien-Register Nr 030/064 2008. (186)
 
Leypoldt F, Wandinger KP, Voltz R. Neues bei paraneoplastischen Syndromen in der Neurologie. Akt Neurol 39: 60-73, 2012. (187)
 
Graus F, Delattre JY, Antoine JC, Dalmau J, Giometto B, Grisold W, Honnorat J, Smitt PS, Vedeler C, Verschuuren JJ, Vincent A, Voltz R. Recommended diagnostic criteria for paraneoplastic neurological syndromes. J Neurol Neurosurg Psychiatry 75: 1135-40, 2004. (188)