Immunglobulin G-Subklassen

Kategorie Lexikon
Stand23.02.2012
Abrechenbarkeit EBM
Enthaltene Parameter
Immunglobulin G-Subklasse IgG1; Immunglobulin G-Subklasse IgG2; Immunglobulin G-Subklasse IgG3; Immunglobulin G-Subklasse IgG4
Zusatzinformation
Hintergrund
Etwa 70 - 80 % des Gesamt-Immunglobulins im Serum sind Immunglobuline der Klasse IgG. Sie werden in vier Subklassen unterteilt, wobei IgG1 60 - 70 %, IgG2 23 - 28 %, IgG3 4 - 7 %, IgG4 3 - 4 % des IgG ausmacht. Säuglinge und Kleinkinder haben noch niedrige Subklassenspiegel. IgG1 und IgG3 erreichen bei 3-Jährigen, die verzögert gebildeten IgG2 und IgG4 erst im 16. Lebensjahr die Höhe der Erwachsenenwerte. Ein unauffälliges Gesamt-IgG macht zwar einen IgG1-Mangel unwahrscheinlich, sagt aber nichts über die anderen Subklassen aus. Unproportionale Verminderung einzelner IgG-Subklassen kann, abhängig von der biologischen Funktion, erhebliche klinische Bedeutung erlangen.
 
Indikationen für eine IgG-Subklassen-Bestimmung
  • Rezidivierende oder chronische Atemwegsinfektionen
  • rezidivierende Diarrhoe + bronchopulmonale Erkrankung
  • Überprüfung des Immunstatus (z. B. vor KM-Transplantation)
  • IgA-Mangel
  • Vorliegen einer Autoimmunerkrankung
 
Bewertung
IgG-Subklasse 1 (IgG1)
IgG1 enthält als Hauptfraktion des IgG die meisten protektiven antiviralen und antibakteriellen Antikörper; bei Verminderung besteht erhöhte Infektanfälligkeit. Ein IgG1-Mangel ist häufig kombiniert mit einem IgG3-Mangel. IgG1 bindet Komplement (C1); es ist daher bei Autoimmunkrankheiten und Immunkomplexkrankheiten häufig erhöht.
 
IgG-Subklasse 2 (IgG2)
Häufigster angeborener Subklassenmangel und häufigster Subklassenmangel bei Kindern. Da IgG2 zur Immunisierung gegen bakterielle Polysaccharid-Antigene benötigt wird, treten bei Mangel gehäuft Infektionen mit Haemophilus influenzae, Meningokokken und Pneumokokken, seltener Staphylokokken und Streptokokken auf, z. B. Otitis media, chronische Bronchitis, rezidivierende Pneumonien. IgG2-Mangel ist oft kombiniert mit IgG4-Mangel, teilweise assoziiert mit primärem IgA-Mangel.
 
IgG-Subklasse 3 (IgG3)
Häufigster Subklassenmangel bei Erwachsenen. IgG3 enthält früh auftretende, vorwiegend Virus-neutralisierende Antikörper; bei Verminderung häufig rezidivierende Infektionen der Luftwege, Sinusitis oder Otitis.
 
IgG-Subklasse 4 (IgG4)
IgG4-Mangel führt zu gehäuften bronchialen und pulmonalen Erkrankungen. In ca. 80 % der Fälle ist ein IgG4-Mangel kombiniert mit einem anderen Subklassenmangel (besonders IgG2) und/oder mit einem IgA-Mangel. IgG4 ist häufig vermehrt bei Allergien (Asthma, atopische Dermatitis) und bei Parasitosen.
Erhöhte IgG4-Konzentrationen finden sich bei Formen der Autoimmunpankreatitis sowie der erst kürzlich charakterisierten IgG4-assoziierten Erkrankung, die mit Fibrosen, Eosinophilie und IgE-Erhöhung einhergeht.
 
Da es passagere Erniedrigungen der Subklassen gibt, sollten zur sicheren Abklärung eines IgG-Subklassen-Mangels und bei unklaren Ergebnissen Wiederholungsuntersuchungen im Abstand von 3 - 6 Monaten durchgeführt werden. Zu beachten ist auch, dass ein gänzliches Fehlen einzelner IgG-Subklassen gelegentlich bei völlig gesunden Personen beobachtet wird.
Die Funktionalität der IgG-AK kann durch eine Untersuchung der Impfantwort gegen Haemophilus influenzae Typ B, Pneumokokken, Tetanus etc. üÜberprüft werden.
Literatur
Stone JH, Zen Y, Deshpande V. IgG4-related disease. N Engl J Med 366: 539-51, 2012. (103)