Neurofibromatose Typ 1 (Gendiagnostik)

Morbus Recklinghausen, NF1-Gen

Kategorie Laboruntersuchung
Stand27.06.2014
Abrechenbarkeit EBM
ErbringerWeiterleitung
MethodeDNA-Sequenzanalyse, MLPA
Material5 ml EDTA-Blut
Indikation
Neurofibrome, multiple Café-au-lait-Flecken (Pigmentanomalien), positive Familienanamnese
Kurzinformation
Autosomal-dominante Vererbung, eine der häufigsten erblich bedingten neurologischen Erkrankungen (Inzidenz
1: 3.000 – 4.000), die mit gutartigen und bösartigen Tumoren des Nervensystems assoziiert ist.
Unterliegt dem GenDG! Die Einwilligungserklärung des Patienten für humangenetische Untersuchungen muss vorliegen!
Zusatzinformation
Hintergrund
(Datenbankeintrag: OMIM 162200)
Die Neurofibromatose Typ 1 (Morbus Recklinghausen) stellt eine der häufigsten erblich bedingten neurologischen Erkrankungen dar. Die Inzidenz liegt bei 1:3000, der Erbgang ist autosomal-dominant. Bei 80 - 90 % aller Patienten mit klinisch gesicherter Neurofibromatose Typ 1 wurden Mutationen im Neurofibromin (NF1)-Gen gefunden. Etwa die Hälfte der Erkrankungen ist auf Neumutationen zurückzuführen. Das NF1-Gen ist ein Tumorsuppressor-Gen, dessen Genprodukt als negativer Regulator der Ras-Signalkaskade dient. Die NF1-assoziierten Tumore entstehen erst, wenn es in einer Körperzelle durch eine spontane Mutation des Normalallels zu einem vollständigen Funktionsverlust dieser tumorsuppressiven Wirkung kommt (second hit).
 
Klinische Bedeutung
Das klinische Bild ist selbst innerhalb einer Familie sehr variabel. Charakteristisch ist das Auftreten von meist benignen Tumoren des peripheren Nervensystems (Neurofibrome), die sich allerdings oft erst nach der Pubertät entwickeln. Typische erste Symptome einer Neurofibromatose Typ 1 im Kindesalter sind Café-au-lait-Flecken. Im weiteren Verlauf treten axilläres Freckling, Lischknötchen der Iris, plexiforme Neurofibrome, Optikusgliome oder eine Keilbeindysplasie auf (diagnostische Kriterien, NIH).
 
Indikationen für die genetische Untersuchung
  • Klinischer V. a. Neurofibromatose Typ 1 (mindestens zwei der folgenden Kriterien)
    • mindestens 6 Café-au-lait-Flecken > 5 mm Durchmesser (Kinder) bzw. > 15 mm (Erwachsene)
    • mindestens 2 Neurofibrome oder ein plexiformes Neurofibrom
    • Sommersprossen (Freckling) in der Achsel und/oder in der Leistengegend
    • Optikusgliom
    • mindestens 2 Lisch-Knötchen (Iris-Hamartome)
    • Knochenfehlbildungen
  • Neurofibromatose Typ 1 in der Familie  
Literatur
Mattocks C, Baralle D, Tarpey P, ffrench-Constant C, Bobrow M, Whittaker J. Automated comparative sequence analysis identifies mutations in 89% of NF1 patients and confirms a mutation cluster in exons 11-17 distinct from the GAP related domain. J Med Genet 41: e48, 2004. (131)