Präeklampsie-Diagnostik (ab SSW 20)

sFlt-1/PlGF-Quotient, soluble Fms-like tyrosine kinase-1, placental like growth factor

Kategorie Laboruntersuchung
Stand01.02.2018
Abrechenbarkeit EBM abrechenbar
ErbringerEigenleistung
Methode
ECLIA
Material
1 ml Serum, bitte die SSW angeben!
Nur Serum einsenden, welches vom Blutkuchen getrennt wurde.
Indikation
Frühzeitige Erkennung einer drohenden Präeklampsie.
Referenzbereich
sFlt-1/PlGF-Quotient < 85
Interpretation
Schwangerschaftswoche  ≥ 20 bis 34 (Early-Onset):
sFlt-1/PLGF < 38:
- Geringes Risiko für Präeklampsie innerhalb der nächsten Woche
  (NPV 99,1%)
- Empfehlung:  ggf. Verlaufskontrolle
sFlt-1/PLGF ≥ 38 - 85:
- Hohes Risiko für Präeklampsie innerhalb der nächsten 4 Wochen
  (PPV 38,6%)
- Empfehlung: Kontrolluntersuchung in 1-2 Wochen
sFlt-1/PLGF > 85:
- Manifeste Präeklampsie oder hohe Wahrscheinlichkeit für
  Komplikationen innerhalb der nächsten 4 Wochen  (Spezifität
  99,5%, Sensitivität 88,0%)
- Empfehlung: engmaschige Überwachung, ggf.
  Kontrolluntersuchung nach 2-4 Tagen
sFlt-1/PLGF > 655:
- Hohe Wahrscheinlichkeit für Geburt innerhalb der nächsten 48
  Stunden durch Komplikationen
- Empfehlung: engmaschige Überwachung
 
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Schwangerschaftswoche  ≥  34  (Late-Onset):
sFlt-1/PLGF < 38:
- Geringes Risiko für Präeklampsie innerhalb der nächsten Woche
  (NPV 99,1%)
- Empfehlung:  ggf. Verlaufskontrolle
sFlt-1/PLGF ≥ 38 - 110:
- Hohes Risiko für Präeklampsie innerhalb der nächsten 4 Wochen
  (PPV 38,6%)
- Empfehlung: Kontrolluntersuchung in 1-2 Wochen
sFlt-1/PLGF > 110:
- Manifeste Präeklampsie oder hohe Wahrscheinlichkeit für
  Komplikationen innerhalb der nächsten 4 Wochen  (Spezifität
  95,5%, Sensitivität 58,2%)
- Empfehlung: engmaschige Überwachung, ggf.
  Kontrolluntersuchung nach 2-4 Tagen
sFlt-1/PLGF > 201:
- Hohe Wahrscheinlichkeit für Geburt innerhalb der nächsten 48
  Stunden durch Komplikationen
- Empfehlung: engmaschige Überwachung
Kurzinformation
Ein erhöhter sFlt-1/PlGF-Quotient (> 85) ist mit einem hohen Präeklampsierisiko assoziiert und geht der klinischen Manifestation einer Präeklampsie um bis zu 5 Wochen voraus (Sensitivität = 82 - 89 %, Spezifität = 95 - 97 %).
sFlt-1/PlGF-Quotienten zwischen 33 und 85 müssen nach neueren Daten als grenzwertig angesehen werden. Da eine drohende Präeklampsie nicht auszuschließen ist, ist eine engmaschige klinische Überwachung der Patientin bzw. der Schwangerschaft und eine Kontrolle des sFlt-1/PlGF-Quotienten im weiteren Verlauf der Schwangerschaft anzuraten.
Zusatzinformation
Hintergrund
Als Präeklampsie wird eine schwere Komplikation der Spätschwangerschaft mit Hypertonie, Ödemen und Proteinurie mit einer hohen maternalen und kindlichen Morbidität und Mortalität bezeichnet.
Risikofaktoren umfassen Erst­gravidität, hohes mütterliches Alter, arteriellen Hypertonus. Adipositas, Insulinresistenz, Diabetes, erhöhte Androgenspiegel und Thrombophilie.
Die Pathogenese beruht wahrscheinlich auf Störungen in der Angiogenese der Plazenta aufgrund einer Dysbalance zwischen Angiogenesefaktoren. Während sFlt-1 (soluble fms-like tyrosine kinase-1) das Gefäßwachstum hemmt, wird es durch PIGF (placental growth factor) gefördert.
 
Bewertung
Bei erhöhtem sFlt-1/PIGF-Quotienten (> 85) ist von einem hohen Risiko für eine manifeste oder drohende Präeklampsie auszugehen. Nach neueren Daten müssen sFlt-1/PlGF-Quotienten zwischen 33 und 85 schon als grenzwertig angesehen werden. Da eine drohende Präeklampsie nicht auszuschließen ist, ist eine engmaschige klinische Überwachung der Patientin bzw. der Schwangerschaft und eine Kontrolle des sFlt-1/PlGF-Quotienten im weiteren Verlauf der Schwangerschaft anzuraten.
Literatur
  1. Roberts JM et al: Summary of the NHLBI working group on research on hypertension during pregnancy. Hypertension 2003;41: 437-445
  2. Verlohren S et al: An automated method for the determination of the sFlt-1/PIGF ratio in the assessment of preeclampsia. Am J Obstet Gynecol 2010;202:161-171
  3. Dröge L.A., Verlohren S.: Präeklampsie: Aktuelle diagnostische und therapeutische Aspekte. Gynäkologe 2017; 213-221