Präeklampsie-Diagnostik (ab SSW 20)

sFlt-1/PlGF-Quotient, soluble Fms-like tyrosine kinase-1, placental like growth factor

Kategorie Laboruntersuchung
Stand27.06.2018
Abrechenbarkeit EBM abrechenbar
ErbringerEigenleistung
MethodeECLIA
Material
1 ml Serum, bitte die SSW angeben!
Nur Serum einsenden, welches vom Blutkuchen getrennt wurde.
Indikation
Risikobeurteilung einer drohenden oder bestehenden Präeklampsie
Referenzbereich
siehe Befundbericht
Interpretation
Schwangerschaftswoche   20 bis 34 (Early-Onset):
sFlt-1/PLGF < 38:
  • Geringes Risiko für Präeklampsie innerhalb der nächsten Woche (NPV 99,1%)
  • Empfehlung:  ggf. Verlaufskontrolle
sFlt-1/PLGF 38 - 85:
  • Hohes Risiko für Präeklampsie innerhalb der nächsten 4 Wochen (PPV 38,6%)
  • Empfehlung: Kontrolluntersuchung in 1-2 Wochen
sFlt-1/PLGF > 85:
  • Manifeste Präeklampsie oder hohe Wahrscheinlichkeit für Komplikationen innerhalb der nächsten 4 Wochen (Spezifität 99,5%, Sensitivität 88,0%)
  • Empfehlung: engmaschige Überwachung, ggf. Kontrolluntersuchung nach 2-4 Tagen
sFlt-1/PLGF > 655:
  • Hohe Wahrscheinlichkeit für Geburt innerhalb der nächsten 48 Stunden durch Komplikationen
  • Empfehlung: engmaschige Überwachung
 
Schwangerschaftswoche    34  (Late-Onset):
sFlt-1/PLGF < 38:
  • Geringes Risiko für Präeklampsie innerhalb der nächsten Woche (NPV 99,1%)
  • Empfehlung:  ggf. Verlaufskontrolle
sFlt-1/PLGF 38 - 110:
  • Hohes Risiko für Präeklampsie innerhalb der nächsten 4 Wochen (PPV 38,6%)
  • Empfehlung: Kontrolluntersuchung in 1-2 Wochen
sFlt-1/PLGF > 110:
  • Manifeste Präeklampsie oder hohe Wahrscheinlichkeit für Komplikationen innerhalb der nächsten 4 Wochen (Spezifität 95,5%, Sensitivität 58,2%)
  • Empfehlung: engmaschige Überwachung, ggf. Kontrolluntersuchung nach 2-4 Tagen
sFlt-1/PLGF > 201:
  • Hohe Wahrscheinlichkeit für Geburt innerhalb der nächsten 48 Stunden durch Komplikationen
  • Empfehlung: engmaschige Überwachung
Zusatzinformation
Hintergrund
Als Präeklampsie wird eine schwere Komplikation der Spätschwangerschaft mit Hypertonie, Ödemen und Proteinurie mit einer hohen maternalen und kindlichen Morbidität und Mortalität bezeichnet.
Risikofaktoren umfassen Erst­gravidität, hohes mütterliches Alter, arteriellen Hypertonus. Adipositas, Insulinresistenz, Diabetes, erhöhte Androgenspiegel und Thrombophilie.
Die Pathogenese beruht wahrscheinlich auf Störungen in der Angiogenese der Plazenta aufgrund einer Dysbalance zwischen Angiogenesefaktoren. Während sFlt-1 (soluble fms-like tyrosine kinase-1) das Gefäßwachstum hemmt, wird es durch PIGF (placental growth factor) gefördert.
Literatur
  1. Roberts JM et al: Summary of the NHLBI working group on research on hypertension during pregnancy. Hypertension 2003;41: 437-445
  2. Verlohren S et al: An automated method for the determination of the sFlt-1/PIGF ratio in the assessment of preeclampsia. Am J Obstet Gynecol 2010;202:161-171
  3. Dröge L.A., Verlohren S.: Präeklampsie: Aktuelle diagnostische und therapeutische Aspekte. Gynäkologe 2017; 213-221