Chlamydien-Infektionen

Chlamydia, Psittakose, Ornithose, Trachom, Lymphogranuloma venereum

Kategorie Lexikon
Stand09.07.2009
Abrechenbarkeit EBM
Enthaltene Parameter
Chlamydia pneumoniae-AK (IgM, IgA, IgG); Chlamydia pneumoniae-DNA; Chlamydia psittaci-AK; Chlamydia trachomatis-AK (IgA, IgG); Chlamydia trachomatis-AK (cHSP60-IgG); Chlamydia trachomatis-DNA (PCR); Chlamydia trachomatis-DNA (Gensonde)
 
Zusatzinformation
Erreger
Chlamydien sind kleine, obligat intrazelluläre Bakterien. Humanmedizinisch bedeutsam sind vor allem die drei Spezies C. (Chlamydophila) pneumoniae, C. (Chlamydophila) psittaci und C. trachomatis. Selten treten auch Infektionen durch C. (Chlamydophila) abortus auf.
 
Chlamydia pneumoniae
Vorkommen ausschließlich beim Menschen
Klinik: Erreger respiratorischer Infektionen: Sinusitis, Pharyngitis, Bronchitis, atypische Pneumonie. Inkubationszeit 1 - 3 Wochen. Die Mehrzahl der Infektionen verläuft jedoch asymptomatisch. Durchseuchung beginnt im Kindesalter und erreicht im Erwachsenenalter Werte von 60 - 80 %
Diagnostik: Methode der Wahl zur Akutdiagnostik ist der DNA-Nachweis aus respiratorischem Sekret oder Rachenabstrich. Weiterhin Nachweis spezifischer AK (IgM, IgA, IgG) möglich. Aufgrund hoher Durchseuchungsrate und langfristiger Persistenz von IgA-AK sowie häufig fehlender IgM-AK bei Akut- und Reinfektionen besteht eine eingeschränkte Aussagekraft.
 
Chlamydia psittaci
Erreger der Psittakose (Ornithose), einer Zoonose, die von Wild-, Nutz- und Ziervögeln übertragen wird.
Klinik: atypische Pneumonie, häufig schwerwiegend. Inkubationszeit 1 - 3 Wochen. Komplikationen: Myokarditis, Hepatitis, Enzephalitis etc.
Diagnostik: Methode der Wahl zur Akutdiagnostik ist der DNA-Nachweis aus respiratorischem Sekret. Weiterhin Nachweis spezifischer AK (IgM, IgA, IgG) möglich. Es sind Kreuzreaktionen mit C. pneumoniae zu beachten.
 
Chlamydia trachomatis
Erreger von Genital- und Augeninfektionen, Vorkommen in verschiedenen Serovaren (A-L).
Klinik:
  • Serovar A, B und C: Erreger des Trachoms, einer chronischen Konjunktivitis, die insbesondere in den Tropen und Subtropen verbreitet ist.
  • Serovar D-K: häufigster Erreger genitaler Infektionen in den Industrieländern: Urethritis, Proktitis beim Mann, Zervizitis, Urethritis oder Proktitis bei der Frau. Inkubationszeit 1 - 4 Wochen.  Die Mehrzahl der Infektionen verläuft jedoch asymptomatisch. Komplikationen (auch bei asymptomatischer Infektion): chronische Tubenentzündung, Infertilität, infektreaktive Arthritis. Bei Inokulation infektiöser Genitalsekrete kann eine Konjunktivitis (Schwimmbadkonkunktivitis, Ophthalmia neonatorum bei Neugeborenen) verursacht werden.
  • Serovar L: Erreger des Lymphogranuloma venereum (LGV), einer Genitalinfektion mit Ulzerationen und inguinaler Lymphadenopathie. Während das LGV primär in den Tropen vorkommt, wurden in den letzten Jahren vermehrt Infektionen bei HIV-Patienten und Homosexuellen in Mitteleuropa registriert.
Diagnostik:
Methode der Wahl zur Akutdiagnostik ist der DNA-Nachweis aus Urin, urogenitalem Abstrich bzw. Augenabstrich. Weiterhin Nachweis spezifischer AK (IgA, IgG) möglich. Aufgrund hoher Durchseuchungsrate und langfristiger Persistenz voznlich
 -   -   +  Kein Hinweis auf TFI, Kreuzreaktion möglich
 -   -   -  Kein Hinweis auf eine Ct-Infektion
 
 
Chlamydia abortus
Erreger systemischer Infektionen und Plazentitis bei Wiederkäuern, insbesondere Schafen, die zu Abort und Totgeburten führen können.
Infektion des Menschen bei Kontakt zu abortierenden Tieren möglich.
Klinik: Beim Menschen Adnexitis oder systemische Infektion bei Schwangeren mit septischem Abort.
Diagnostik: DNA-Nachweis und Nachweis spezifischer AK in Speziallabor (Kreuzreaktionen mit C. psittaci möglich)
 
Therapie und Prophylaxe
Eine symptomatische Chlamydien-Infektion sollte mit intrazellulär wirksamen Antibiotika, wie Tetracyclin, Makroliden oder Chinolonen, therapiert werden.
Prophylaxe von Komplikationen einer asymptomatischen C. trachomatis-Infektion: Screening von Frauen zwischen 17 und 25 Jahren (jährlich) sowie Schwangeren auf C. trachomatis mittels DNA-Nachweis aus Urin.
 
Meldepflicht
Direkter und indirekter Nachweis von Chlamydia psittaci sind meldepflichtig nach § 7 IfSG.
Literatur
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Chlamydia trachomatis-Infektionen in der Schwangerschaft. Leitline 2008. (22)
 
Mylonas I, Kirschner, Weissenbacher T, Gingelmaier A, Weissenbacher E-R, Friese K. Chlamydia trachomatis-Infektionen - Zeit zum Handeln. Dtsch Med Wochenschr 132: 1170-6, 2007. (23)
 
Wellinghausen N, Straube E, Freidank H, von BH, Marre R, Essig A. Low prevalence of Chlamydia pneumoniae in adults with community-acquired pneumonia. Int J Med Microbiol 296: 485-91, 2006. (25)