Lymphozyten-Differenzierung

Lymphozyten-Subpopulationen, Immunstatus

Kategorie Laboruntersuchung
Stand03.08.2018
Abrechenbarkeit EBM
ErbringerEigenleistung
MethodeDurchflusszytometrie
Material2 ml EDTA-Blut
Indikation
Gehäufte opportunistische und virale Infektionen, Monitoring der HIV-Infektion, Analyse der Immunkompetenz bei Tumoren und chronischen Entzündungen, Patienten unter zytostatischer oder immunsuppressiver Therapie, Abklärung einer unklaren Lymphozytose oder Lymphozytopenie, Lymphozytentypisierung in der BAL zur Abklärung interstitieller Lungenerkrankungen
Abnahme
EDTA-Blut nicht älter als 8 h. Blutprobe nicht kühlen!
Richtwert
siehe Befundbericht
Kurzinformation
Umfasst B-, T-, T-Helfer (CD4)-, T-Suppressor (CD8)-, NK-Zellen
Zusatzinformation
Hintergrund
Lymphozyten können auf Grund der unterschiedlichen Expression von Differenzierungsantigenen, sog. Cluster of Differentiation (CD), unterschieden werden. Dabei sind insbesondere die B-, T- und NK-Zellen sowie die Untergruppen der T-Zellen, die T-Helferzellen (CD4), die T-Suppressorzellen (CD8) und der CD4/CD8-Quotient, relevant. Die Lymphozyten-Differenzierung wird primär mit Blutlymphozyten durchgeführt. Zur Abklärung einer interstitiellen Lungenerkrankung ist sie jedoch in der BAL sinnvoll.  
 
B-Zellen
B-Zellen (CD19+ Lymphozyten) sind Effektorzellen der humoralen Immunabwehr (Sekretion von Antikörpern) und können zu Plasmazellen und B-Gedächtniszellen differenzieren.
Deutlich erhöhte B-Zellen (> 5.000 B-Zellen/µl) sprechen für eine B-Zell-Leukämie. Erhöhte B-Zellen < 5.000 B-Zellen/µl treten auch im Rahmen einer monoklonalen B-Zell-Lymphozytose auf. Es sind Verlaufskontrollen in viertel- bis halbjährlichem Abstand empfehlenswert.
Erniedrigte B-Zellen finden sich bei angeborenen und erworbenen Immundefekten.
 
T-Zellen
T-Zellen (CD3+ Lymphozyten) induzieren und regulieren die zelluläre Immunabwehr.
Erhöhte T-Zellen finden sich u. a. bei viralen Infektionen, T-Zell-Leukämien, Rauchern, in der Schwangerschaft und nach intensivem Training.
Erniedrigte T-Zellen finden sich u. a. bei chronischen Lebererkrankungen, Verbrennungen, SLE und anderen Autoimmunerkrankungen, Benzolintoxikation, Niereninsuffizienz, Corticoidtherapie, Eisenmangelanämie, Eiweißmangel und nach Bestrahlung mit ionisierenden Strahlen.
 
T-Helferzellen
T-Helferzellen (CD4+ Lymphozyten) sind eine Untergruppe der CD3+ Lymphozyten. Sie erkennen exogene Peptidantigene, induzieren die zellvermittelte und humorale Immunantwort (Interaktion mit B-Zellen) und sezernieren verschiedene Zytokine, wie IL-2, IFN-gamma, TNF-alpha.
Erniedrigte T-Helferzellen: u. a. bei zellulären Immundefekten (angeboren oder erworben, z. B. HIV-Infektion), bei < 200 CD4+ Lymphozyten liegt ein schwerer zellulärer Immundefekt vor; außerdem passager bei Virusinfektionen, bei Rauchern, Einnahme bestimmter Medikamente, Sportlern, Multipler Sklerose, Sarkoidose.
Erhöhte T-Helferzellen: Sezary-Syndrom (Kutanes T-Zell-Lymphom, deutlich erhöhte Werte), gelegentlich in der Schwangerschaft, bei Autoimmunerkrankungen und bakteriellen Infektionen.
 
T-Suppressorzellen (zytotoxische T-Zellen)
T-Suppressorzellen (CD8+ Lymphozyten) sind eine Untergruppe der CD3+ Lymphozyten. Sie erkennen endogene Peptidantigene und werden unter Vermittlung der T-Helferzellen aktiviert.
Erniedrigte T-Suppressorzellen: u. a. bei zellulären Immundefekten, außerdem bei Einnahme bestimmter Medikamente, passager bei körperlicher Belastung.
Erhöhte T-Suppressorzellen: typisch für eine lymphotrope Virusinfektion.
 
NK-T-Zellen
NK-T-Zellen (CD3+/CD16+/CD56+) sind eine Untergruppe der Lymphozyten, die Gemeinsamkeiten mit NK-Zellen haben. Sie erkennen Lipid- und Glykoplipidantigene, die auf CD1d-Rezeptoren präsentiert werden, und zeichnen sich durch eine schnelle Zytokinantwort (insbesondere IL-1, IFN-gamma, IL-4) aus.
NK-T-Zellen sind bei der Abwehr von Erregern, insbesondere Mykobakterien, sowie bei der Regulation der Immunabwehr beteiligt. Ein Mangel oder eine Dysfunktion der NK-T-Zellen wird bei Autoimmunkrankheiten und Krebserkrankungen beobachtet.
 
CD4/CD8-Ratio
Die CD4/CD8-Ratio beschreibt das Verhältnis der T-Helfer- zu den T-Suppressorzellen.
Erhöhte CD4/CD8-Ratio: bei rheumatoider Arthritis, Insulin-abhängigem Diabetes mellitus, systemischem Lupus erythematodes ohne Nierenschaden, primär biliärer Zirrhose, atopischer Dermatitis, Sezary-Syndrom, Psoriasis, Autoimmunhepatitis, multipler Sklerose im akuten Schub. Deutliche Erhöhungen bei chronischen CD4+ T-Zellleukämien. Eine erhöhte CD4/CD8-Ratio in der BAL weist auf eine Sarkoidose, Berylliose oder Asbestose hin.
Erniedrigte CD4/CD8-Ratio: bei systemischem Lupus erythematodes mit Nierenschaden, Verbrennungen, akuten Virusinfekten (infektiöse Mononukleose, Zytomegalie, Herpes, Masern), Graft-versus-Host-Erkrankung, sportlicher Belastung, Myelodysplasien, T-Zellleukämien mit CD8+ Leukämiezellen. Außerdem bei Tumoren, Bestrahlungs-, Chemo- und Cortisontherapien.
Eine erniedrigte CD4/CD8-Ratio in der BAL findet sich bei exogen-allergischer Alveolitis, tendenziell auch bei medikamentös induzierter Alveolitis, BOOP, chronisch-eosinophiler Pneumonie und Churg-Strauss-Syndrom.
 
Aktivierte T-Lymphozyten
Aktivierte T-Zellen sind CD3+ Lymphozyten, die das HLA-DR-Antigen exprimieren (HLA-DR+).
Erhöhter Anteil aktivierten T-Lymphozyten: bei systemischen Virusinfektionen, Autoimmunerkrankungen, Allergien, Verbrennungen, Kokainabusus, bestimmten Karzinomen, medikamentöser Immunstimulation und in der Schwangerschaft.
 
Natürliche Killerzellen
Natürliche Killerzellen (NK-Zellen, CD3-/CD16+/CD56+) sind Effektorzellen des angeborenen Immunsystems.
Erhöhte NK-Zellen: bei Virusinfektionen, Mycoplasma-Infektion
oder nach medikamentöser Immunstimulation, außerdem bei NK-Zell-Leukämie (selten).
Erniedrigte NK-Zellen: bei progredientem Tumorwachstum, bei Rauchern, passager bei körperlicher Belastung und während einer kalorienarmen Diät.
AnhängeDownload.png Ringversuchszertifikat März 2018.pdf
Download.png Ringversuchszertifikat März 2019.pdf