Carbamazepin (Antiepileptikum)

CBZ, Carbaflux®, Tegretal®, Timonil®

Kategorie Laboruntersuchung
Stand14.06.2016
Abrechenbarkeit EBM
ErbringerEigenleistung
MethodeCLIA
Material0,5 ml Serum
Indikation
Überwachung besonders bei Therapiebeginn, geänderter Co-Medikation, Verdacht auf Intoxikation, gestörte Pharmakokinetik, Therapieresistenz, Überprüfung der Compliance, Schwangerschaft
AbnahmeDer therapeutische Bereich bezieht sich auf den Talspiegel (Blutentnahme unmittelbar vor Verabreichung der nächsten Dosis). Abnahme im Steady State empfohlen.
Interpretation
Therap. Bereich: 4 - 10 mg/l
Toxisch:           > 12 mg/l
Kurzinformation
HWZ: 18 - 65 h (Einzeldosis) bzw. 10 - 25 h (Dauertherapie), Steady State nach 2 - 8 Tagen
Metabolit siehe Carbamazepinepoxid
Zusatzinformation
Hintergrund
Carbamazepin wird nach oraler Einnahme langsam und fast vollständig resorbiert. Die maximale Plasmakonzentration findet sich zu Beginn der Therapie nach 2 - 24 h, im Steady State nach 1 - 5 h. Der Steady State ist nach 2 - 8 Tagen erreicht.
Carbamazepin wird durch das Cytochrom-P450-System (überwiegend durch das Isoenzym CYP3A4) zu zahlreichen Metaboliten abgebaut, jedoch nur 10,11-Carbamazepinepoxid besitzt antikonvulsive Wirkung. Die Serumkonzentration des 10,11-Carbamazepinepoxids beträgt 5 - 81 % der des Carbamazepins und hängt stark von Art und Höhe der Co-Medikation ab. Der Anteil dieses Metaboliten an der therapeutischen Wirkung bei der Therapie mit Carbamazepin ist unklar.
Die Eliminationshalbwertszeit des Carbamazepins beträgt 18 - 65 h nach einer Einzeldosis bzw. 10 - 25 h bei Dauertherapie. Es wird zu 2 - 3 % unverändert renal eliminiert.
 
Bewertung
Bei grenzwertig erhöhten Carbamazepinspiegeln oder beim Auftreten von Nebenwirkungen ist die Bestimmung des pharmakologisch aktiven Metaboliten Carbamazepinepoxid ratsam. Die klinischen Nebenwirkungen von Carbamazepin korrelieren offenbar mehr mit der Konzentration des Epoxids als mit dem Spiegel des nicht-metabolisierten Carbamazepins.
Bei einmal täglich abends dosierten Retardpräparaten liegt der 8-Uhr-Wert für Carbamazepin morgens ca. 10 % unter dem maximalen Serumspiegel.
 
Ursachen erhöhter Serumspiegel: Überdosierung, Lebererkrankungen, gleichzeitige Anwendung von CYP3A4-Inhibitoren, Absetzen eines CYP3A4-Induktors, unter Lamotrigin und Felbamat kann Carbamazepinepoxid ansteigen bei gleichzeitiger Abnahme von Carbamazepin, durch Valproinsäure und Primidon kann Carbamazepinepoxid ebenfalls ansteigen.
Ursachen erniedrigter Serumspiegel: Unterdosierun, Induktion des Metabolismus durch die Substanz selbst oder durch andere Antiepileptika (z.B. Phenytoin, Phenobarbital, Primidon).
 
Aus der Fachinformation Tegretal (200 mg):
Wahrend der fur Fehlbildungen besonders anfalligen ersten drei Monate der Schwangerschaft und besonders zwischen dem 20. und 40. Tag nach der
Befruchtung soll die niedrigste wirksame Dosis angewendet werden, da Fehlbildungen wahrscheinlich durch hohe Plasmakonzentrationen hervorgerufen werden.
Eine Kontrolle der Plasmaspiegel wird empfohlen. Sie sollten im unteren Bereich des therapeutischen Bereiches (3 – 7 Mikrogramm/ml) liegen. Bei einer Dosis von < 400 mg Carbamazepin pro Tag sind die Fehlbildungsraten niedriger als bei hoheren Dosen.
 
Aus Benkert Hippius S. 868:
Die Carbamazepin-Ausscheidung steigt im Verlauf einer Schwangerschaft. Verminderung des Plasmaspiegels bis zu 42 % möglich.
Literatur
Schulz M, Schmoldt A. Therapeutic and toxic blood concentrations of more than 800 drugs and other xenobiotics. Pharmazie 58: 447-74, 2003. (79)
 
Külpmann WR. Clinical Toxicological Analysis: Procedures, Results, Interpretation. 1 ed. Wiley-VCH Verlag, Weinheim, 2009. (138)
AnhängeDownload.png Ringversuchszertifikat Juli 2017.pdf
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